Globalisierung vs. Islamismus

Bei der Suche nach Erklärungen für die Krawalle in Dänemark und Frankreich wird häufig gerne in erster Linie der böse Kapitalismus verantwortlich gemacht. Dieser führe etwas vereinfacht zu einem Abbau des Sozialstaates, zu sozialer Ausgrenzung der Wettbewerbsverlierer und Frustration, die sich über Extremismus ein Ventil sucht.

Auch wenn das so vereinfacht Unsinn ist, weil soziale Missstände nicht immer zu Extremismus führen und weil es Extremismus auch ohne soziale Ausgrenzung gibt, kann hier dennoch u.U. ein begünstigender Faktor gesehen werden. Die Sozialwissenschaftlerin Sylvia Staub-Bernasconi z.B. bezieht sich in ihrem Erklärungsversuch auf Fadela Amara von „NiPoutesNiSoumises“ aus Frankreich, die klar eine islamische Dimension der Krawalle in Frankreich bennent und u.a. auf zunehmenden Tugendterror insbesondere gegen Mädchen und Frauen in französischen Vorstädten hinweist. Dieser habe aber nach St.-B. besondere Anziehungskraft entwickeln können mit einem Rückzug des Staates in den Neunzigern insbesondere in Form eines Abbaus sozialarbeiterischer Strukturen sowie abnehmender rechtsstaatlicher Intervention. Ein so entstehendes Vakkum begünstige nicht zwangsläufig das Entstehen einer demokratischen Zivilgesellschaft wie es scheinbar in wirtschaftsliberalen Kreisen häufig erwartet wird, sondern könne auch das Erstarken von in diesem Fall radikalislamischen Strukturen zur Folge haben.

Der häufige Versuch, derartiges zur alleinigen und entscheidenden Ursache hochzustilisieren greift nicht, vor allem weil es gerade islamischen Fundamentalismus offensichtlich auch völlig unabhängig von diesen Faktoren gibt. Aber als begünstigender Faktor kann die Erklärung genauso wie z.B. die „Youth-Bulge-These“ wohl in die Diskussion mit einbezogen werden.

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2 Antworten

  1. Lieber g3ro,

    Alice Schwarzer sieht DAS Hauptproblem des Islams (wie auch: Des Kreationismus/christlichen Fundamentalismus) im Machismo, in der krankhaft überteigerten Männlichkeitsideologie: „Männlichkeitskult“, sagt sie. Eine Hochreligion, die in extrempatriarchalen Kriegerbünden ausgebrütet wurde und bis heute gerne mit maskulinistischen Allmachtsphantasien jongliert, lässt ihre oft arbeitslosen Halbwüchsigen durch die Städte der Dar al-Harb trotten. Recht eitel und arrogant will man als Muslim fremd sein; Erdogan fasste dieses Lebensgefühl (der Angst vor Identitätsverlust) in Worte („integriert euch nicht (zu sehr)“).

    Schwarzer zum islamistischen Milieu:

    „In den 90er Jahren wurde Italien ihre „logistische Basis“, England ihre „propagandistische Zentrale“ und Deutschland die „europäische Drehscheibe des Terrors“. Die mafios organisierten Islamisten finanzieren das alles mit Petrodollars sowie dem Frauen- und Drogenhandel; ebenso wie ihre soziale Unterwanderung der muslimischen Communities in den westeuropäischen Ländern.

    Es ist vor allem dieser islamistischen Agitation zu verdanken, dass die dritte Generation der Einwanderer schlechter Deutsch spricht und weniger integriert ist als ihre Eltern. Heute bezeichnen sich 28 Prozent der MuslimInnen in Deutschland als „streng religiös“ (2000: 8 Prozent). Und 47 Prozent befürworten das Kopftuch (2000: 27 Prozent).

    Die Agitation zeitigt also Früchte. Und die orientierungslosen, gewaltbereiten jungen Männer – die heute die überwältigende Mehrheit in der „Höchstrisikogruppe“ der kriminellen Jugendlichen ausmachen – hoffen dank der islamistischen Propaganda auf eine Zukunft mit 70 Jungfrauen im Paradies zum Lohn für ihre Verbrechen.“

    (Alice Schwarzer: Die Antwort)
    Quelle bei Kewil:
    http://kewil.myblog.de/kewil/art/158271752

    -cees-
    (Netzwerk Schariagegner/Sägefisch)

  2. In den Auswirkungen ist die „Geschlechterapartheid“ bestimmt das Hauptproblem.

    Die Frage oben dreht sich ja eher um die Ursachen für ein Erstarken des radikalen Islam. Gerade für den Westen wurde ja lange angenommen, es würde von selbst zu einer Säkularisierung von Migranten bzw. Muslimen kommen.

    Es sei der böse Kapitalismus, der über Armut und Verzweiflung zu Extremismus führt sagen manche, es sei Rassismus und Diskriminierung, es sei die Ideologie allein, deren Anhänger im Grunde schon immer mehr oder weniger radikal waren, …

    Dabei scheint mir die Wahl der Erklärungsansätze oft sehr ideologisch. Ich würde dafür plädieren, die verschiedenen Ansätze nicht unbedingt gegeneinander, sondern möglicherweise parallel wirksam als Faktoren zu diskutieren.

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