Menschenrechte im Islam?

Einen tiefen Wandel will u.a. die Taz feststellen. Erstmals würden sich die islamischen Staaten zu Menschenrechten bekennen. In der von der Organisation islamischer Staaten (OIC) kürzlich verabschiedeten Charta kommt tatsächlich zweimal das Wort „human rights“ vor. Da allerdings nicht von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte die Rede ist, bezieht sich die OIC wohl eher auf ihre eigene schariakompatible Menschenrechtserklärung. Auch zu Demokratie würde sie sich bekennen, heißt es. Entweder der Presse liegt eine andere Charta vor, oder das Wort „democracy“ kommt darin tatsächlich nicht einmal vor. Der Wortlaut der Presseberichte weckt eher den Verdacht, dass alle dieselbe Pressemitteilung zitieren.

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3 Antworten

  1. Lieber g3ro,

    vorab nebenbei: Zu dem Film von Geert Wilders:
    bei
    http://www.dailymotion.com/video/x4vchl_fitna-le-film-de-geert-wilders-vers_news
    ist er noch zu finden gewesen, frisch aus Marokko also.

    Menschenrechte im Islam: Gut beobachtet,
    da wird doch eine ‚Erosion‘ von Begriffen
    betrieben, ‚Gerechtigkeit‘ heißt dann eben
    ‚Allahrechte‘ nicht (pfui, welch Frevel!)
    menschengemachte (universelle) Rechte.
    Hm, Problem … wenn sich die Demokraten
    das mehrheitlich gefallen lassen.

    Gruß
    Jacques Auvergne

  2. Vor allem ist wohl immer noch die Bereitschaft, sich mit dem Islam als Weltanschauung kritisch auseinanderzusetzen, wenig ausgeprägt. Wer glaubt, die Ursachen für Menschenrechtsverletzungen etc. müssten allein außerhalb des Islam liegen (etwa im Sozialen, Reaktion auf Kolonialismus, auf Diskriminierung, Islam wird nur missbraucht als Mittel zum Zweck des Machtgewinns etc…) ignoriert einen wesentlichen Faktor und wird so Probleme wohl kaum lösen.

    Bei aller Wichtigkeit von Kritik darf aber auch nicht vergessen werden, dass es Ansätze für Reformen im Islam gibt, die den Islam kompatibel mit demokratischen Grundordnungen machen könnten, und dass immer noch eine Mehrheit der Muslime unproblematisch ist (säkulare, Reformer, passive, zwanghaft im Islam verbleibende, etc…). Wenns auch nicht 99% sind, wie die Kulturrelativisten gerne träumen.

  3. Bravo G3ro, gut gesagt,

    interessant und spannend die höchst skeptischen Äusserungen der säkularen Muslime zur Islamkonferenz der Bundesregierung.

    Was die von mittlerweile wohl sämtlichen Kultusministern für integrationsförfernd und wünschenswert eingeschätzte Einführung eines „flächendeckenden“ islamischen Religionsunterricht betrifft, bin ich verärgert und alarmiert. So lange sich auch nur eine nennenswert starke Minderheit der Moscheegemeinden / Moschee(bau)vereine nicht in der Lage sieht, sich von der der Frau und dem Dhimmi in Scharia und Sunna zugewiesenen Rolle zu entfernen, so lange ist ‚der Islam‘ kein demokratiegeeignetes Schulfach. Natürlich erhoffe ich mir entwicklungsfördernden Druck auf die Islamverbände, Kulturvereine, türkischen Elternvereine usw., die wahrscheinnlich den universellen Menschenrechten gar nicht mehr so weit entfernt stehen. Doch der Kurs der weltweiten Orthodoxie und die Rolle Deutschlands mit schlappen 3,2 Millionen angesichts der knapp Zweihundertfachen Größe von Ummah, Weltislam.

    Nun mag ja in Deutschland eine Säkularsierung des Islams breite Wirkung entfalten. Viele hoffen das, Tibi, Toker, Ates, Cileli, Hirsi Ali, von Redeker und Wilders nicht zu reden. Wie wird sich der ‚tropische Einfluss‘ darstellen, der Import von simpel gestrickten und (unter wahhabitischem, salafistischem, Ahmadiyya-orientiertem Einfluss) noch auf wenige Jahrzehnte fraglos eher dschihadistisch orientierten Fundamentalismen auf die Muslime in Deutschlands Städten? Schulischer Religionsuntrricht scheint mir da etwas überlastet.

    Schäuble hat einen viel grundlegenderen Schritt versäumt, als er KRM (Islamverbänden, orthodox/fundamentalismusnah), Einzelvertretern und AABF (Aleviten) den baldigen „flächendeckenden“ Islamunterricht (Bekenntnisunterricht, nicht bloße (wie unkontrollierte) Islamkunde in Ausicht stellte.

    Zur absoluten Gleichberechtigung von Mann und Frau, zum jederzeit möglichen Verlassen jeder Religion d.h. auch des Islams ist von Schäubles Diskussionspartnern (von Leuten wie der Pädagogin Necla Kelek abgesehen) keine Silbe zu hören gewesen und auch nicht ohne sofortigen starken rhetorischen Druck zu erwarten.

    Kelek über die Verbände:
    „Sie wollen ein anderes Deutschland als wir“
    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E2A90C820777C4A77AF8FAED6FDE3C007~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Ahadi sinngemäß: „Konferenz sofort einstellen!“

    Prof. Heumann sinngemäß: „Der Islam ist als Unterrichtsfach nicht ’schulreif‘, das rechtlich gebotene ‚Überwältigungsverbot‘ (den Schüler psychisch nicht erpressen oder bedrängen) ist dieser Jahre weder islamrechtlich noch islamverbandlich gegeben und wird auch von ‚Islampädagogen‘ (gegen Moschee, Sunna und Ummah) nicht zu leisten sein.“

    Ein islamischer Religionsunterricht wäre mir sogar lieb, wenn er so wenig demokratiegefährdend wäre die es der heutige kathlische oder evangelische Religionsunterricht ist. Derzeit aber will Moschee, Verband wie Sunna die Doktrin weltweiter Islamisierung, die methodische Geringerstellung der Frau, die theologische Verachtung von Polytheisten und Atheisten und die ’sakrale Tötung‘ des Apostaten. Vom Dhimma-Konzept jeder islamischen Gesellschaft nicht zu reden. So ein Islam kann nicht Lehrfach sein. Islamwissenschaft und, in der Schule: Vergleichende Religionenbetrachtung halte ich für sinnvoll und wichtig.

    Es wird spannend …

    Islamunterricht: Erste bedenkenswerte Fragen öffentlich stellt ein gewisser Zagreus:
    http://kommentare.zeit.de/user/zagreus/beitrag/2008/03/13/islamkonferenz-und-islam-schulen

    Indessen bilanziert Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Religionsunterricht_in_Deutschland#Islamischer_Religionsunterricht

    zu Mina Ahadis Leben:
    http://www.welt.de/print-wams/article117431/Im_Kampf_mit_den_frommen_Sadisten.html

    Ich weiß, dass für viele Muslime die Sache genau so unüberschaubar und verworren erscheint wie für viele (an Politik oder/und Religion dann oft auch nicht sonderlich interessierte Deutsche.

    Ümmühan Karagözlü tüftelt gerade an einem furiosen Essay dazu, er wird in 1-2 Wochen auf ‚Schariagegner‘ veröffentlicht.

    Wer kann geht (wohl am 30.6. und 1.7.) nach Köln zur ‚kritischen Islamkonferenz‘. Ich lasse mir diesen Leckerbissen natürlichnicht entgehen.

    Mit liebem Gruß
    Jacques Auvergne

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